Weilheimer Hütte (Krottenkopfhaus)
Estergebirge (Bayerische Voralpen)  1946m


Weilheimer Hütte

großes Foto Weilheimer Hütte und Krottenkopf
Das Estergebirge ist immer noch - abgesehen vom Wank - ein relativ ruhiges Bergrevier für Wanderer und Skitourengeher ge blieben. Es gehört zu den Bayerischen Voralpen und wird von der Eschenlaine im Norden, der Loisach, dem Kankertal im Süden und vom oberen Isartal begrenzt. Der ganze Gebirgsstock läßt sich mit dem Fahrrad an einem Tag umrunden. Der Krottenkopf, Hausberg der Weilheimer Hütte, bildet mit 2086 m die höchste Erhebung dieser kleinen Berggruppe. Er ist, wie alle anderen Gipfel ringsum auch, unschwierig zu besteigen.
Das Estergebirge steht bei Blumenfreunden hoch im Kurs. In Talnähe entdeckt man wildwachsende Orchideen (wie Frauenschuh, die seltene Fliegenragwurz, Rotes und Weißes Waldvöglein, Waldhyazinthen sowie Kleines, Geflecktes, Traunsteiner, Angebranntes und Breitblättriges Knabenkraut), während im Gipfelbereich Steinröschen, Alpenastern, Stengelloses Leimkraut, Kohlröschen und Schnee-Enzian anzutreffen sind.

Lage der Hütte
Die Weilheimer Hütte thront auf dem Lochtalsattel in 1946 m Höhe und ist aufgrund ihres Standortes und des rotleuchtenden Daches weithin sichtbar. Sie ist das höchstgelegene Alpenvereinshaus der Bayerischen Voralpen und einziger Stützpunkt des Estergebirges, da das Wankhaus (1780 m) der Sektion Garmisch-Partenkirchen zwar bewirtschaftet wird, aber keine Übernachtungsmöglichkeit bietet. Die Hütte der AV-Sektion Weilheim / Oberbayern ist seit 1884 in Betrieb. Sie wurde seitdem mehrmals erweitert und modernisiert. Rund 70 Gäste kommen in Betten und Lagern unter. Für Tourenskiläufer steht ein kleiner Winterraum zur Verfügung (Schlüssel!). Das Haus ist von Pfingsten bis Kirchweihsonntag geöffnet und für seine freundliche Bewirtung bekannt.

Hütten-Telefon und -Fax +49-170-2708052

Talorte und Zufahrt
Der Krottenkopf zählt aufgrund der günstig zu erreichenden Talorte zu den »Münchner Hausbergen«. Die Hütte läßt sich aus allen vier Himmelsrichtungen ansteuern. Talorte sind Eschenlohe, Oberau, Farchant und Partenkirchen (alle im Loisachtal und an der von München her kommenden A 95 bzw.Olympiastraße gelegen) sowie Krün und Wallgau im oberen Isartal. Sogar vom Walchensee führt ein Weg, sehr lang und etwas umständlich, zum Krottenkopfhaus. Alle Anstiege eignen sich auch für ausdauernde und trittsichere Kinder, die zudem in der grünen, mit latschen bestandenen Umgebung der Hütte ein ideales Betätigungsfeld finden.

Hüttenanstiege
Von Eschenlohe (640 m) geht der gut ausgeschilderte Anstieg zunächst zur interessanten Asamklamm (kurzer Abstecher), dann auf etwas eintönigen Forststraßen östlich um den Schellenberg herum. Recht. steil und steinig erweist sich das Kistenkar; der Hochwald bleibt zurück, und viel Geröll wartet auf den Bergfreund. Oben ist der Fuß der Hohen Kisten erreicht. Über
diesen Gipfel oder darunter verläuft der letzte Abschnitt des Hüttenzustiegs. Rund 5 Std., sehr anstrengend.

Von Oberau (659 m) wandert man über die Loisachbrücke, dann ein Stück auf asphaltiertem Radweg in Richtung Farchant und hinter der »Schanze« auf einem Steg über den Röhrlbach. Ab hier schraubt sich der immer schmaler werdende »Oberauer Steig« durch schütteren Mischwald in die Höhe. Mehrmals werden Rinnen gequert, dann breitet sich das Frickenkar vor uns aus. Der Weg am Westhang des Bischofs ist wegen der Latschenäste und -wurzeln mühsam. Vom begrünten Sattel zu Füßen des Hennenecks geht es das letzte Stück über Schrofen nur noch mäßig ansteigend zur Hütte. Rund 3 1/2 Std.

Lang, aber landschaftlich überaus reizvoll ist der Zugang von Farchant (672 m) an der Kuhflucht entlang und über den Hohen Fricken (1940 m) zur Weilheimer Hütte. Über die Loisachbrücke und weiter geradeaus erreicht man die Kuhflucht. Dieser Bergbach bildet viele Wasserfälle, an denen wir kurzweilig entlangwandern. Hinter dem eisernen Steg schlängelt sich ein schmaler Pfad durch steilen, lichten Föhrenwald empor. Dann kommt der Ursprung der Kuhflucht in Sicht: Mächtige Wasserschwälle schießen aus senkrechter Felswand
- ein beeindruckendes Naturschauspiel! Dort drüben liegt auch die verzweigte Frickenhöhle verborgen, die aber nur erfahrenen Ortskundigen zugänglich ist. An einigen Stellen wird es jetzt ausgesetzt, und Trittsicherheit ist angezeigt. Dann nimmt uns ein breiter Latschengürtel auf, der bis zum Gipfelgrat reicht. Am etwas abseits stehenden Gipfelkreuz des Hohen Fricken bekommt man eine umfassende Rundsicht geschenkt. Danach wird über den gutgestuften Nordgrat bis in eine grasige Senke abgestiegen, wo oft Gemsen zu beobachten sind. Nun stößt man auf den »Oberen Steig«, der erst an der Hüttenschwelle endet. Rund 5 1/2 Std.

Von Partenkirchen (708 m) gilt es zuerst zur Esterbergalm (1264 m) zu gelangen. Entweder in 2 Std. an der WalIfahrtskirche St. Anton (sehenswerte Fresken) und an der Daxkapelle vorbei zum Almgelände oder in 11/2 Std. von der Mittelstation der Wankbahn über den Hüttlsteig weniger anstrengend dorthin oder vom Wank (Bergstation) über den Eckenberg steil hinunter zur Frauenmahd und weiter zum Berggasthof Esterbergalm (1 Std.). Von dort führt ein Güterweg an der Hinteren Esterbergalm (1272 m) vorbei zur Talstation des MaterialIifts. Nun wird es schmal undkehrenreich. Über bunte Wiesen hänge geht es zur Hütte.
2 Std. ab Esterbergalm.

Wasserfall


Als sehr lang gelten die Anstiege aus dem oberen Isartal. Man verläßt Krün (875 m) über Wiesen in Richtung Finzbachklamm (lohnender Abstecher zum idyllischen Klammgrund), verpaßt nicht den nach rechts abschwenkenden Pfad durch den Altgraben und kommt so zur im Hochsommer bewirtschafteten Krüner Alm (1621 m). Von dort zieht sich der »Krüner Steig« über den Angeriboden und durch das Lochtal zum Ziel. Knapp 6 Std.

Von Wallgau (866 m) geht es auf dem Panoramaweg nordwärts hinein in den lichten Mischwald des Mitterbergs. Da der »Wallgauer Steig« mehrere Forststraßen quert, ist auf die rote Markierung zu achten. Der Weg berührt den kleinen Wildsee und die Kuhalm und vereint sich am Angeriboden mit dem »Krüner Steig«. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Hütte. Rund 6 Std.


Gipfeltouren
Der Krottenkopf (2086 m) ist von der Hütte aus in 25 Min. zu erreichen. In Kehren geht es über harmlose Schrofen zum Gip
felkreuz. Die Aussicht sucht ihresgleichen. Besonders der Blick über das Isartal hinweg ins Karwendel. Dieser Gipfel wird auch gern zur Zeit des Sonnenaufgangs besucht. Schon allein deshalb ist eine Hüttenübernachtung zu empfehlen.

Der Obere Rißkopf (2049 m) liegt auf der anderen Seite der Weilheimer Hütte und nimmt nur 20minütige Anstiegsmühen auf Trittspuren über einen grasigen Steilhang in Anspruch. Von oben erhält man einen faszinierenden Tiefblick ins Loisachtal.


Skitouren

Im Winter lassen sich bei sicheren Verhältnissen von der Esterbergalm der Hohe Fricken, der Bischof und der Krottenkopf (über die Weilheimer Hütte) mit Ski besteigen. Eine Aufstiegshilfe bietet die Wankbahn. Von der Esterbergalm führt bei guten Schneeverhältnissen eine Piste bis hinunter nach Partenkirchen. Ab Hütte bestehen außerdem Abfahrtsmöglichkeiten durchs Wildseetal und den Schwarzen Graben nach Wallgau sowie durchs Kistenkar nach Eschenlohe (sehr steil und lawinengefährdet).

Übergänge

Von der Weilheimer Hütte kann man zum Walchensee absteigen, um dort auf den E4 zu treffen, der weiter zur Tutzinger Hütte führt. In Eschenlohe stößt man wiederum auf den E4, der über die Hörniegipfel und Unterammergau den Pürschlinghäusern zustrebt.

Karten und Führer
Freytag & Berndt WK 322 »Wetterstein - Karwendel« (Maßstab 1 : 50 000).
Gebietsführer »Wetterstein mit Mieminger Kette« von Helmut Pfanzelt; Rother Wanderführer »Isarwinkel« von Eugen E. Hüsler; Rother Skiführer »Bayerische Alpen« von Robert Demmel und Norbert Schneider; alle Bergverlag Rother, München.


Landkarte

Klaus Puntschuh Quelle: Alpenvereinskalender 2000, Blatt November


Weilheimer Hütte


Wanderseite Heinz Wember

Heinz Wember
Änderungsstand: 15-Apr-2012 upd 04-Mai-2018