Taubensteinhaus Bayerische Voralpen 1567 m

Taubenstein

Rotwand-Reib'n I: Blick vom zur Rotwand
Foto: Siegfried Garnweidner


Schon zu Zeiten, als die Münchner noch mit dem Radi oder der Bahn in die Berge gekommen sind, war das Taubensteinhaus fester Bestandteil des voralpinen Wochenendprogramms. Die deftige Brotzeit haben sich die »Bergler« selber mitgebracht, und für das Hofbräuhaus-Bier hat die Familie Gruber gesorgt, die schon seit 1965 die Hütte bewirtschaftet. Das war so zu allen Jahreszeiten. Im Sommer und im Herbst ist man mit Wanderstiefeln heraufgekommen; im Winter und im zeitigen Frühjahr mit Tourenski und Fellen. Daran hat sich nicht viel geändert (außer, daß man sich inzwischen auch das gute Essen auf der Hütte leisten kann). Wer
ein echter Voralpinist ist, der mag die Seilbahn nicht. Deshalb sind auf der Taubensteinabfahrt bisweilen mehr Skitourengeher und Wanderer als Liftbenutzer unterwegs.


Lage der Hütte
Das Taubensteinhaus liegt in den Bayerischen Voralpen, oberhalb des Spitzingsees und östlich des Taubensteinsattels, etwa auf der gleichen Höhe wie der Sattel, zu dem vom Spitzingsee eine Seilbahnfährt. Unmittelbar südwestlich der Hütte steigt der Taubenstein an, der vielen Wanderern ein schnelles Ziel ist und der der Hütte seinen Namen spendiert hat. Versorgt wird die Hütte aber nicht über die Seilbahn, sondern mit einem geländegängigen Fahrzeug über die langen Forstwege, die von Geitau heraufkommen. Im oberen Bereich verläuft die Versorgungsroute auf einem Privatweg der Wald- und Weidegemeinschaft.

Taubenstein



Da der Hauptnutzer dieses Weges die Hütte ist, obliegt der schwierige Unterhalt dem Hüttenwirt, der damit stark gefordert ist. Nach dem gigantischen Murenabgang beim Krottentaler Graben im Herbst 1996 wäre die Versorgung fast zusammengebrochen, wenn nicht die Seilbahn eingesprungen wäre.
Die Hütte ist für Tages- und Übernachtungsgäste ganzjährig bewirtschaftet. Nur in der Zeit vom 5. November bis zum 10. Dezember ist sie geschlossen. Doch die Tourengeher haben den Hüttenwirt so lange »bearbeitet«, daß er jetzt in den Hüttenferien am Wochenende da ist. Wer übernachten möchte, sollte sich wegen der großen Beliebtheit der Hütte zu allen Zeiten vorher telefonisch unter der Nummer 08026/7070 anmelden, damit ihm auch ein Platz sicher ist. Zur Verfügung stehen 1 Vierbettzimmer, 1 Fünfbettzimmer, 1 Lager mit 20 Plätzen, 1 Lager mit 19 Plätzen und 4 Lager für je 4 Personen. Insgesamt also Übernachtungsmöglichkeiten für 64 Personen.
Das Taubensteinhaus wurde in den Jahren 1935/36 erbaut. Bauherr war der militärisch geprägte »Bergsportverein Haus am
Taubenstein«. Die Mitglieder mußten im Monat ein Fünferl Beitrag
zahlen, deshalb ist das Berghaus pro forma im Privatbesitz geblieben, und die Übertragung auf die Sektion Bergbund e.V. des Deutschen Alpenvereins konnte im Jahr 1946 problemlos über die Bühne gehen. Seit es die Hütte gibt, ist sie gottlob von Katastrophen verschont geblieben. Keine Lawinen, kein Feuer, nichts. Den Strom bezieht das Taubensteinhaus aus dem Netz über die nahegelegene Seilbahnstation und dorthin werden auch die Abwässer gepumpt, die dann über einen Ablauf zur Ringkanalisation am Spitzingsee fließen. Besser und umweltfreundlicher geht es nicht.

Talort und Zufahrt
Es gibt - wenn man so will - gleich zwei Talorte. Der eine ist
Fischhausen (806 m). Von München aus reist man mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) bequem nach Schliersee. Von dort
fährt ein RVO-Bus über Fischhausen nach Spitzingsee (1090 m)
hinauf. Natürlich läßt sich der Spitzingsee auch mit dem eigenen
Auto erreichen, doch das Parken wird nicht kostenlos möglich sein.
Der andere Talort ist Fischbachau (772 m). Dorthin kann man
direkt mit der Oberlandbahn fahren, Ausstieg am Haltepunkt
Geitau (769 m). In Geitau gibt es einen (kostenlosen) Wanderparkplatz.

Hüttenzustiege
Man kann vom Spitzingsee fast bis vor die Hüttentür mit der
Taubensteinbahn hinauffahren. Wer lieber zu Fuß geht, folgt vom
östlichen Seeufer ein paar Meter der Straße Richtung Valepp, geht
an der historischen Wurzhütte vorbei und links zu einer asphaltierten Straße in den Wald. Nun in weitem Bogen südlich um den
Schwarzenkopf herum und 100 m hinter dem Forsthaus zu einer
Straßenverzweigung. Dort geradeaus weiter, aus dem Wald heraus,
zum Berggasthof Igler und der Unteren Maxlrainer Alm. Dort rechts
abbiegen und auf der breiten Schotterstraße zur Talstation des
Schlepplifts. Neben der Lifttrasse über die breite Skipiste, gelegentlichen Wegspuren folgend, zur Oberen Maxlrainer Alm hinauf und am arg lehmigen Pfad gegen Nordosten zum Taubensteinsattel. Von ihm gegen Osten auf breitem Weg zum Taubensteinhaus (1/2 Std.).
Vom Wanderparkplatz in Geitau am Segelflugplatz entlang nach Süden, in den Wald hinein und am Holzplatz nach rechts über die Brücke. Dahinter dreht der Fahrweg wieder nach Süden ab führt zur Hütte in Mieseben. Nun am Sträßchen nach links (Südosten) in den Wald hinauf und bei der Verzweigung rechts, gegen Westen. Der Fahrweg quert nun einen langen, relativ steilen Waldhang und führt in das Krottental hinaein. Am unteren Ende der riesigen Mure, die 1996 vom Hochmiesing abgegangen ist, schwenkt er in den Wald ab und
steigt in Kehren an, bis er die Bahn der verheerenden Mure quert
und westlich davon wieder in den Wald hineinführt. Er steigt nun
nur noch gering an, und man folgt ihm gegen Südwesten bis zur
Hütte (2 Std.).













Taubenstein

Rotwand-Reib'n II: Anstieg in den Miesingsattel, hinten der
Rotwandgipfel
Foto: Siegfried Garnweidner

Wanderungen
Sie gibt es von der Hütte aus mehr als genug. Schöne und beliebte
Ziele nördlich der Hütte sind Rauhkopf (1689 m, 1/2 Std.), Tanzeck
(1701 m, 1 1/2 Std.), Aiplspitz (1758 m, 2 Std.), Benzingspitz
(1735 m, 1 3/4 Std.) und Jägerkamp (1746 m, 2 1/4 Std.), die sich
auch miteinander verbinden lassen. Im Süden des Taubensteinhauses laden folgende Ziele zu einem Besuch ein: Taubenstein
(1693 m, 1/2 Std.), Lempersberg (1789 m, 1 1/4 Std.), Rotwand
(1885 m, 2 Std.), Auerspitz 1811 m, 3 Std.), Hochmiesing
(1883 m, 1 1/2 Std.). Auch diese Wanderungen lassen sich auf
verschiedenen Routen miteinander verbinden. Für Kletterer und
solche, die es gerne werden wollen, bieten sich in verschiedenen
Schwierigkeiten natürlich die Ruchenköpfe (1805 m) an.

Skitouren
Bis auf Taubenstein, Lempersberg und Ruchenköpfe eignen sich
alle Berge (wenn auch teilweise auf etwas anderen Routen) ebenfalls gut als Skitourenziele. Die Tourensaison beginnt mit dem ersten kräftigen Schneefall und ist erst im April zu Ende. Die klassische Skitour in diesem Gebiet ist die Rotwand-Reib'n.

Die Rotwand-Reib'n
Aufstieg: Gleich hinter der ehemaligen MautsteIle am Spitzingsee links abzweigen und dem Verlauf der schmalen Bergstraße zur Winterstube folgen. Dort rechts abbiegen und am breiten Weg in geringer Steigung weiter. Immer im Wald dahin, bis das Gelände am Punkt 1639 m frei wird. An der Wildfeldalm vorbei und in einen weiten Talboden hinein. Aus ihm nach Nordosten heraus, immer steiler zum Grat hinauf und über ihn (auf Wächten achten!) zum Gipfel der Rotwand (rund 2 Std.).

Abfahrt: Vom Gipfel geradewegs den weiten Hang zum Rotwandhaus hinunterschwingen. Von dort die linke der beiden steilen Rinnen rassig hinab und unter der Nebelwand in eine Talsenke. Dort wieder anfellen. Gegenanstieg über eine Dreiviertelstunde zum Auerspitz (1811 m). Von diesem Gipfel geht es nun nur sehr kurz über schöne Pulverschneehänge hinab. Linkshaltend erreicht man die schöne und lange Mulde zwischen
Sebaldstein und Ruchenköpfen, die leider meist sehr zerfahren ist. Von diesem Einschnitt flott bis fast zur Großtiefentalalm hinab. Dann links halten und nach Nordwesten in den Miesingsattel aufsteigen. Vom Sattel wieder in schöner Abfahrt durch freies Gelände zur Kleintiefentalalm. Im lichten Wald hinter der Alm beginnt der dritte und letzte Gegenanstieg. hinauf zum Taubensteinhaus. Nach der Hütteneinkehr schiebt man die Brettl nach
Westen zum Taubensteinsattel hinüber und fährt auf der Skipiste bis zum Spitzingsee ab. Insgesamt etwa 6 Stunden.

Karten und Führer:
Bayerisches Landesvermessungsamt, Blatt »Mangfallgebirge«
(Maßstab 1 :50.000).
Rother Wanderbuch »Münchner Wanderberge« von Siegfried
Garnweidner; Rother Wanderführer »Tegernseer und Schlierseer
Berge« von Heinrich Bauregger; TourenDisk »Münchner Wander-
berge« von Siegfried Garnweidner; Rother Skiführer »Bayerische
Alpen« von Robert Demmel und Norbert Schneider; alle Berg-
verlag Rother, München.

Siegfried Garnweidner




großes Foto der Hütte

Quelle: Alpenvereinskalender Hütten unserer Alpen März-2002

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Änderungsstand: 03-Feb-2013 18:05
Heinz Wember