Santnerpaßhütte
Rosengartengruppe (Dolomiten) 2741 m

Von Bozen kommend stellt die Rosengartengruppe mit ihren Wandfluchten und Türmen den eindrucksvollen Westrand der Dolomiten dar. Viele bekannte (und auch weniger bekannte) Schönheiten sind hier auf engstem Raum zusammengefaßt. So die Ansicht der Rotwand vom Weg auf den Karer Paß, die Ostwand der Rosengartenspitze, die König Laurin Wand, der Kesselkogel, der eher ruhige Antermoiasee und natürlich die Vajolettürme. Leider ist der Rosengarten im Hochsommer entsprechend überlaufen, und auch die Sperrung der Straße zum Rifugio Gardeccia
für den privaten Verkehr vor einigen Jahren hat nicht viel bewirkt.
Jetzt fahren die Kleinbusse ununterbrochen und laden die Leute aus. Wer allerdings außerhalb der Hochsaison (luli, August) unterwegs ist, hat gute Chancen, den ursprünglichen Rosengarten kennenzu lernen.

Lage der Hütte
Die kleine private Santnerpaßhütte (8 Lager) liegt am gleichnamigen Joch hoch über dem Vorland bei Bozen auf den Westabbrüchen der Rosengartenspitze. Diese einmalige Lage der höchsten Hütte des gesamten Gebirgsstocks macht sie für Bergwanderer zu einem beliebten Ziel, auch wenn sie etwas im Schatten der benachbarten Gartlhütte und der Vajolettürme steht. Aufgrund der exponierten Lage läßt die Abendsonne die Hütte mit der dahinter befindlichen Rosengartenspitze oft in gleißendem Rot erstrahlen. In diesem Moment wird jeder die Herkunft des Wortes »Rosengarten« mit den schönen Abendstimmungen erklären, auch wenn
der Name in Wirklichkeit einen anderen Ursprung hat.
Bewirtschaftet wird die Hütte vom 20. Juni bis Ende September.
Auskunft unter Telefon (1}-0471/642230 (Hütte) bzw. (1)-0462/
573513 (Tal).


Santnerpasshütte

Santnerpasshuette

Kletterer an den Vajolettürmen (Bild oben).
Foto: Wolfgang Ehn

Talorte und Zufahrt
Die Brennerautobahn verläßt man bei der Ausfahrt Bozen Nord und biegt nach links auf die Staatsstraße 12 Richtung Bozen. Bei der Ortschaft Kardaun verläßt man diese wiederum nach links auf die Straße Nummer 241 Richtung Welschnofen/Karer Paß. Nach Passieren des Ferienhofes Karer Paß und des mächtigen Hotels Alpenrose trennt sich der Wege nach Zustieg zur Hütte: Wer die Santnerpaßhütte über den Klettersteig von Westen angehen will, muß nun nach links abbiegen und der Straße einige Kilometer bis zum Parkplatz an der Frommeralm folgen. Ausgangspunkt für den üblichen Zustieg durch das Vajolettal ist Pozza di Fassa, das man
über den Karer Paß erreicht.

Hüttenzustiege
Am Ende der Ortschaft Pozza di Fassa befindet sich ein großer Parkplatz, an dem kleine Busse zum 1949 m hoch gelegenen Rifugio Gardeccia abfahren. Eine Fahrt in den im Sommer oft übervollen Bussen kostet etwa 10.000 Lire (10 DM). Wer lieber zu Fuß gehen möchte, kann auch das Fassatal weiter hinauf fahren, einmal scharf nach links zum kleinen Bergdorf Ronch abbiegen und dort an der Straße parken. Allerdings muß man auf dem Weiterweg zum Rifugio Gardeccia (1 1/2 Std.) immer wieder den Bussen ausweichen.
Vom Rifugio führt ein breiter Weg in einer 3/4 Std. zur Vajolethütte, von der sich das erste Mal der Blick auf die namensgebenden Türme öffnet. Nun folgt der Anstieg der Materialseilbahn durch das versicherte Felsband der Gartlschlucht hinauf zur Gartlhütte (1 Std.). Von dort aus sind es nur noch 20 Min. durch das karge Kar zum Santnerpaß mit seiner Hütte. Der Weg von der Westseite läßt sich ebenfalls abkürzen: Von der Frommeralm fährt nämlich eine Seilbahn direkt zur Rosengartenhütte auf 2339 m. Natürlich kann man auch aus eigener Kraft aufsteigen. Wer von der Rosengartenhütte zu seinem Ziel hinaufschaut, wird erst einmal erschrecken, denn die Santnerpaßhütte liegt immer noch weit oberhalb der steilen Wand. Man verläßt die Rosengartenhütte anfangs sehr steil auf dem Weg 550 über den Felsriegel, der gleich oberhalb ansetzt. Auf dem breiten Schotterband folgt man dann dem Weg 542 nach Norden und gelangt so
in die Südwestflanke der Rosengartenspitze. Nun beginnt der häufig begangene Santnerpaß-Klettersteig (I), der aufgrund seiner logischen Linienführung und der prachtvollen Aussicht Richtung Bozen sicherlich zu den schönsten seiner Art gehört. Er ist durchwegs gut markiert und an schwierigen Stellen mit Drahtseilen und Eisenleitern gesichert. Aufgrund der Höhe und der Ausrichtung der Flanke können sich Schnee und Eis allerdings lange halten und erfordern dann besondere Vorsicht. Nach etwa 2 Std. ab der Rosengartenhütte endet der Steig unvermutet direkt an der
Santnerpaßhütte.






Gipfeltouren

Die steilen Wände, Zacken und Türme lassen nur wenige leichtere Gipfeltouren zu. Meist erfordern auch die einfachsten Anstiege erfahrene Kletterer. So ist es auch nicht verwunderlich, daß die Santnerpaßhütte selten als Ausgangspunkt für einen Gipfel dient.
Doch der Hausberg, die Rosengartenspitze, liegt nur gute 200 Hm
oberhalb der Hütte und bietet als zweithöchster Berg der Gruppe mit fast 3000 m einen hervorragenden Aussichtspunkt. Durch die Ostwand, die vom unteren Vajolettal aus gut einzusehen ist, führen viele inzwischen klassische Klettereien, und auch die steil aufgeschwungene Nordwand unter der Gartlhütte bietet immer mehr extreme Routen. Der Normalweg auf den höchsten der drei Gipfel der Rosengartenspitze führt von der Santnerpaßhütte zunächst in wenigen Minuten über die Schotterhalde bis unter die Westflanke. Der Einstieg der im Alpenvereinsführer mit dem
Schwierigkeitsgrat II angegebenen Tour befindet sich am Beginn einer markanten Kaminreihe. Zuerst folgt man dieser, darauf klettert man aber schon bald durch die Wand in gut griffigem Fels gerade nach oben. Dann zuerst links, später rechts den Steilabbrüchen ausweichend, zuletzt durch einen kurzen Kamin auf die Scharte. Der Weiterweg führt nun immer am Nordgrat entlang auf den Hauptgipfel (2981 m), den man nach insgesamt etwa 1 1/2 Std. erreicht.
Obwohl die Hütte nur etwa 1/2 Std. von den überlaufenen Einstiegen der Klettertouren an den Vajolettürmen entfernt ist, kann sie aufgrund ihrer Größe (8 Lager) nicht als Stützpunkt dienen. Aspiranten auf die berühmtesten Türme der Dolomiten werden die um ein Vielfaches größere Gartlhütte (direkt vor den Türmen) oder die Vajolethütte vorziehen.

Übergänge
Da sämtliche Übergänge einen Teil der oben beschriebenen Aufstiegswege beinhalten, seien im folgenden noch zwei schöne Tourenvarianten beschrieben. Wer den Santnerpaß-Klettersteig absteigt und die Tour nicht bei der Rosengartenhütte beendet, kann den landschaftlich einmalig
schönen Hirzlweg einschlagen. Dieser verläßt die Rosengartenhütte nach Süden und führt immer auf einer Höhe unter den Wänden von Tscheinerspitze und Rotwand entlang. Bei der Einschartung vor der Rotwand teilt sich der Weg. Der untere mit der Nummer 552 verläuft in gerader Linie auf die Paolinahütte (2125 m) zu. Von dort führt ein Sessellift zum Feriendorf Karer Paß. Der eigentliche Hirzlweg (Nummer 549) steigt zunächst an, um dann direkt unter den Wänden Richtung Karer Paß zu führen. Vor der Rosengartenhütte zweigt auch ein, nur vereinzelt markierter, Steig über den Baumannpaß zum Rifugio Gardeccia ab (ca.
2 1/2 Std.). Die schmale, steile Felsrinne kurz vor dem Abstieg zur Hütte verfolgt man unschwierig, teilweise über Geröll, aufwärts zur Scharte auf 2657 m. Dann steigt man ab zum Rifugio Gardeccia. Ca. 300 Hm unterhalb der Scharte kann man auch nach links zur Vajolethütte abbiegen.
Wer nach dem Abstieg von der Santnerpaßhütte zur Vajolethütte nicht genug hat, kann noch einen Abstecher hinauf durch das Vajolettal zur Grasleitenpaßhütte unternehmen. Auf dem breiten Weg sind zwar wieder zahlreiche Leute zu finden, doch die gemütliche kleine Hütte unter dem einzigen Dreitausender der Rosengartengruppe, dem Kesselkogel (3002 m), rechtfertigt den Aufstieg.

Karten und Führer
Freytag & Berndt WKS 5 »Grödner Tal - Sella - Marmolada«
(Maßstab 1 :50.000); Tabacco 29 »Schlern, Rosengarten, Latemar«
(Maßstab 1 :25.000).
Gebietsführer »Dolomiten - Rosengartengruppe« von Hannsjörg Hager; Wanderführer »Dolomiten 2, Eggentaler Berge - Latemar - Rosengarten« von Franz Hauleitner; »Kletterführer Dolomiten« von Anette Köhler und Norbert Memmel; TourenDisk »Felsparadies Dolomiten« von Anette Köhler und Norbert Memmel; alle Bergverlag Rother, München.


Wolfgang Ehn

Saantnerpasshuette


Die Vajolettürme vom Santnerpaß aus, davor die Gartlhütte
Fotos: Wolfgang Ehn


großes Foto der Hütte

Quelle: Alpenvereinskalender Hütten unserer Alpen November-2002

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Änderungsstand: 04-Feb-2013 06:00
Heinz Wember