Landsberger Hütte  Allgäuer Alpen  1810m

Traualpsee

Blick vom Traualpsee auf die Lachenspitze
Foto: Siegfried Garnweidner

Der Teil der Allgäuer Alpen, der sich über dem Viisalpseeerhebt, ist für Spaziergänge, kleine Wanderungen, Überschreitungen und große Rundtouren nahezu ideal. Kristallklare Seen, dichte Wälder in Talnähe, steile, felsdurchsetzte Grashänge und felsige Gipfel kennzeichnen dieses Fleckerl Erde. Und an diesem schönen Ort steht die Landsberger Hütte als mustergültiger Stützpunkt für eine Reihe von eindrucksvollen Bergtouren.

Lage der Hütte
Oberhalb von drei klaren Seen, dem Vilsalpsee im Tal, dem Traualpsee auf halber Höhe und neben der kleinen »Lacke« steht auf der Höhe von 1810 m die Landsberger Hütte der DAV-Sektion Landsberg am Lech. Sie ist bewirtschaftet von Pfingsten bis zum 15. Oktober und verfügt über 30 Betten und 140 Lagerplätze. Außerdem steht ein Winterraum für 14 Personen zur Verfügung (AV-Schlüssel). Telefonisch ist die Hütte unter (A)- 5632/6282 zu erreichen.
Es war ein langer Entscheidungsprozeß, bis die Landsberger Hütte gebaut war und am 30. Juni 1929 eingeweiht werden konnte. Satte 35.942,02 öS hat der Bau verschlungen. Darin ist 
alles abgerechnet, von den reinen Kosten für 69.350 Kilogramm Material bis hin zur Verpflegung der Arbeiter (unter anderem 395 Liter Wein, 63 Liter Rum und Schnaps, aber nur 12 Liter Himbeersaft). Trotzdem steht die Hütte gerade, und bis heute ist sie von größeren Katastrophen verschont geblieben. Nach der Einweihung ist der Betrieb auf der Hütte ganz gut gelaufen. Doch dank der »Reichsmarksperre«, die vor dem Zweiten Weltkrieg eingeführt worden ist und von allen aus Deutschland nach Österreich Ausreisenden einen Tribut von 100, später 1 000 RM verlangte, kamen kaum noch Gäste. Im Jahr 1934 wurden ganze 8 Übernachtungen verzeichnet. Nach den Kriegswirren ging die Hütte in das Eigentum der Republik Österreich über, die sie erst im Jahr 1956 an die Sektion Landsberg zurückgab, der sie aber brav die ganze Zeit über die Kostenübernahme gestattete. Im Jahr 1948 wurden die ersten Vorbereitungen für den Bau einer Materialseilbahn getroffen. Wegen der mangelhaften Stromversorgung durch ein nur selten funktionierendes Aggregat (das wegen fehlender legaler Einfuhrmöglichkeit in einem Heuwagen ver- steckt über die Grenze gebracht werden mußte) war der Seilbahnbetrieb kaum möglich. Als schließlich auch noch die Schwungscheibe des Dieselmotors zu Bruch ging und bei der Einfuhr der Ersatzteile auf »Schwärzerart« der Zoll gnadenlos zugeschlagen hatte, hat die Sektion sich dann doch auf vorsichtigere Transportgestaltungen besonnen. . ..
Mit dem Beschluß, die Hütte zu erweitern, war klar, daß auch die Materialseilbahn leistungsfähiger werden mußte. Doch rechtes Glück sollten die Landsberger mit ihrer Seilbahn nicht haben. Lawinen, ein schwerer Unfall, bei dem der Hüttenwirt fast ums Leben gekommen wäre und ein quirliger Holzknecht, der einen 20-Meter-Baum genau auf die unterste Seilbahnstütze hat fallen lassen, warfen die Arbeiten immer wieder zurück. Schließlich hat man Nägel mit Köpfen gemacht und die marode Aufzugskonstruktion durch solide Technik ersetzt. Der Erweiterungsbau der Hütte konnte dann in Angriff genommen und im Jahr 1966 abgeschlossen werden.

Die schmucke Hütte ist eingerahmt von den markanten Berggestalten Rote Spitze, Steinkarspitze, Lachenspitze und Schochenspitze. Sie lassen sich von der Hütte mit einigermaßen geringem Aufwand besteigen, und so hat der Tourist, der sich die Hütte als Stützpunkt wählt, gleich ein stattliches Programm im Angebot. Natürlich kann man die alpinen Wanderaktivitäten fast beliebig erweitern. Interessant wäre beispielsweise die relativ anspruchsvolle Wandertour von der Hütte über die Krottenköpfe zur eigentümlichen Leilachspitze (oder Lailachspitze; 2274 m).

Talort und Zufahrt
Talort ist Tannheim (1097 m), den Ausgangspunkt für den Hüttenanstieg finden wir beim Parkplatz an der nördlichen Spitze des Vilsalpsees, direkt neben der Weltingalpe (1168 m). Mit dem
Auto erreicht man Tannheim aus dem Oberallgäu über das 
Oberjoch oder von Weißenbach am Lech über den Gaichtpaß. Von Tannheim führt eine gut ausgebaute Straße nach Süden durch das Tal der Vils bis zum Ausgangspunkt. [Für den Privatverkehr  mittlerweile gesperrt]. Natürlich gibt es ab Tannheim auch einen Linienbus.


Hüttenanstiege
Von der Weltingalpe gehen wir am Sträßchen neben dem östli
chen Seeufer zu einer kleinen Hütte. Dort biegt ein markierter Wanderweg links ab und führt neben einem Bach durch den Wald und einen steilen Felsenhang in vielen Kehren bergwärts. Wir erreichen auf der Höhe von 1631 m die Staumauer des Traualpsees. Nach der Wegstrecke auf der Ostseite des Sees, unterhalb der Schochenspitze gegen Süden, kommen wir wieder in Felsgelände. Dort ist zur Sicherheit sogar eine solide Eisenkette gespannt, an der man sich vorsichtshalber festhalten kann. Wir kommen oberhalb der »Lache« (so heißt ein kleiner See dort oben) in flacheres Gelände, biegen rechts ab und stoßen nach etwa 1 1/2 Std. auf die Landsberger Hütte.
Weitere Anstiegsmöglichkeiten gibt es von der Bergstation des Sessellifts am Neunerköpfl, an der Sulzspitze vorbei und über die Schochenspsitze (3 Std.), von Haldensee herauf (4 Std.) oder von
Rauth durch das lange Birkental (4 1/2 Std.). Noch weiter (ca. 5 1/2 Std.) wäre der Aufstieg aus dem Lechtal.
Der Weg beginnt westlich von Weißenbach am lech, in der Nähe von Dreibrun- nen, und führt anfangs neben dem ungebändigten Flußlauf nach Südwesten, bis er bei der Jagdhüttenalpe rechts abbiegt und im großen und ganzen gegen Westen oberhalb des Grundes des Schwarzwassertals dahinführt. Bei der Hassenteufelhütte biegt die Route rechts ab und steigt sehr steil gegen Norden an, bis sie oberhalb der Waldgrenze abflacht und unterhalb der Steinkarspitze zur Hütte führt.

Landsberger Hütte Karte
Landsberger Hütte, Traualpsee udn Vilsalpsee

Von der Lachenspitze kann man die wunderschöne Lage der Landsberger Hütte über Traualpsee und Vilsapsee erkennen
Foto: Siegfried Garnweidner

Wanderung auf Steinkarspitze (2067 m), Lachenspitze (2126 m) und Schochenspitze (2069 m)
Im Prinzip ist die hier vorgestellte Rundwanderung nicht schwierig. Nur das Teilstück von der lachenspitze in das lachenjoch verlangt eine stattliche Portion an Trittsicherheit und Schwindel- freiheit (11). Wenn Schnee liegt, sollte man diese Runde vorsichtshalber nicht angehen.
Wir folgen von der Landsberger Hütte dem Bergweg gegen Westen und gehen unter den Gratausläufern der Roten Spitze in den Sattel zwischen Roter Spitze und Steinkarspitze hinauf. Wer jetzt schon eins draufsetzen will, kann von dort in einer knappen halben Stunde nach rechts auf die Rote Spitze (2130 m) gehen. Gemütlicher ist es, gleich nach links über den Gratrücken auf den scharfgeschnittenen Gipfelfelsen der Steinkarspitze zuzugehen. Der Steig wendet sich etwas nach rechts, und wir steigen von Westen her steil, aber nicht schwierig zum Kreuz auf der Steinkarspitze.
Von der Steinkarspitze gibt es zwei Alternativen für den Weiterweg. Man kann direkt steil nach Osten hinabgehen oder das erste Stück über den Gratrücken gegen Südwesten absteigen und dann links und über steile Wiesen zum Grat gehen, der in den Sattel zwischen Steinkarspitze und Lachenspitze führt. Ein guter Steig bringt uns nun weitgehend eben, später aber doch relativ steil in
vielen Kehren zum Gipfelkreuz der Lachenspitze hinauf.
Vom Gipfel der Lachenspitze gehen wir das erste Stück ziemlich steil und sehr ausgesetzt (kaum Griffe) nach Nordosten hinab. Die Markierungszeichen leiten uns etwas südöstlich des Grates in das Lachenjoch, von wo wir über ausgedehnte Wiesenhänge steil zur Schochenspitze aufsteigen. Wir überschreiten auch diesen Gipfel und gehen nach Norden zum Saalfelder Höhenweg weiter. Dabei kommen wir in die Gappenfeldscharte (auf manchen Karten auch Schochensattel genannt), von der es ein paar Meter arg steil abwärts geht (Drahtseilsicherung). Dann erreichen wir die Jausenstation Gappenfeldalpe. Nach der Einkehr, die sich besonders lohnt, wenn die Wirtin frischen Kuchen gebacken hat, biegen wir links ab und steigen gegen Nordwesten ab, queren den Gappenfeldbach, stoßen auf einen Fahrweg und zur Autostraße, neben der wir auf dem Wanderweg zum Ausgangspunkt am Viisalpsee zurückgehen. Insgesamt muß man für dieser Rundtour (ab Landsberger Hütte) ca. 5 Std. einplanen.

Führer und Karten
Topographische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamtes München, Blatt »Füssen und Umgebung« (Maßstab 1: 50 000); Freytag & Berndt WK 352 »Ehrwaldlermoos - Reutte - Tannheimer Tal (Maßstab 1: 50 000).
Alpenvereinsführer »Allgäuer Alpen« von Dieter Seibert und Heinz Groth; Gebietsführer »Allgäuer Alpen« von Dierter Seibert und Heinz Groth; Rother Wanderführer »Allgäu 2
- Ostallgäu und Lechtal« von Dieter Seibert; TourenDisk (CD) »Tiroler Wan- derberge« von Siegfried Garnweidner; alle Bergverlag Rother, München.
                                          
Siegfried Garnweidner


großes Foto von der Landsberger Hütte DAV Sektion Landsberg Quelle: Alpenvereinskalender 2000, Blatt Juni



Wanderseite Heinz Wember

Heinz Wember
Änderungsstand: 26-Mar-2009 12:35/ upd 26-Apr-2018