Was so einem Enduser so alles passieren kann, wenn er Windows Vista auf Windows 8 umstellen will.


Zunächst möchte ich vorausschicken, dass ich kein blutiger Anfänger bin, ich mache EDV schon fast 50 Jahre. Natürlich nicht Windows, das gab es 1964 noch nicht, als ich auf dem ersten Rechner in München (der PERM in der TH) Algol lernte. Heute steht dieses alte Ding im Deutschen Museum, ich weiß nicht mehr, wieviel hundert Röhren die PERM hatte, Transistoren gab es um 1955 noch nicht, als die Nachrichtentechniker mit den Mathematikern der TH die PERM konstruierten. Für die Diplomarbeit durfte ich schon die TR4 von Telefunken benützen.

Als ich 1968 als Programmierer und Systemanalytiker bei der NCR in Augsburg anfing, gab es schon einen Rechner, der sich NCR 315 nannte und etwa 1961 herauskam. Hier lernte ich Assembler, Cobol, Fortran, aber der Assembler blieb vorerst die Hauptsprache. Der Kernel der 315 bestand aus 500 Silben à 12 bit, davon hatte ich einen Ausdruck, ich konnte also direkt in der Kernel eingreifen, wenn gar nichts mehr ging. Ich werde es nie vergessen, auf der Adresse 19952 stand ein Befehl Read Magnetic Tape, der das ganze Betriebsystem vom Tape Handler 0 neu lud. Danach hatten wir wieder klare Verhältnisse, danach konnte man über die Schreibmaschine weitere Befehle eingeben, z.B. das Programm aufrufen, das man gerade Testen wollte.

Um 1969 gab es dann die Nachfolgermaschine, sie hieß NCR 615 bzw. Century. Die hatte natürlich wieder einen anderen Assembler mit ganz anderen Befehlen. Auch hatte diese Machine schon Magnetplatten. Man konnte daran denken, eine Datenbank zu schreiben, natürlich eine ganz primitive, die nur indexsequentiell lesen konnte, dann noch andere Sätze in weiteren Dateien, die direkt verkettet waren. Zumindest lief 1976 das erste Online-System, wo wir unsere Lagerbestände abrufen konnten. Dann ging es Schlag auf Schlag, neue Datenbanken wurden freigeben, und auch Online-Kommunikation Driver, man brauchte nun nicht mehr jedes Byte extra programmieren, jetzt konnten man in kurzer Zeit schöne Online-Programme schreiben, nicht nur in Assembler, sondern auch in Cobol. Unsere Fabrik baute Computer mit dem Betriebsystem IMOS, die kleinste Machine war etwa so groß, wie die ersten PCs, die dann 1980 herauskamen. Bevor wir DOS auf unsere Machinen installierten, gab es ein Betriebssystem CPM, was auch so ähnlich war wie das spätere DOS. Der Speicher der Maschine war 64 K, man hatte also nur zwei Byte für die Adressierung. Als externe Laufwerke hatten wir die 5 1/4 Zoll Floppy Disk, die etwa 330 kB Platz hatte. So etwa 1983 kam dann der erste PC mit Festplatte heraus, 10 MB, was für ein Luxus!

Der Fortschritt ließ sich nicht aufhalten, die Maschinen wurden kleiner, dafür schneller und hatten viel mehr Speicherplatz. Ich weiß nicht genau, aber es war so Anfang der 1990er Jahre, da gab es plötzlich Windows, ich glaube, die Version, die wir verwendeten, hieß 3.11. Jetzt gab es schon die 3 1/2 Zoll Floppy, das war das Medium für die Installation des Betriebssystems, natürlich brauchte man mehrere von diesen Floppies. Für uns der absolute Luxus war dann Windows 95 auf CD, aber intern haben wir zu dieser Zeit weder E-Mail noch Internet-Browsing gemacht, obwohl es das inzwischen gab. Unsere E-Mail ging mit unseren Unix-Maschinen, die weltweit mit den anderen Fabriken und Standorten über Modems (erst 300 baud, dann 1200 und schließlich 2400 baud) verknüpft waren.

1996 wurde unsere Fabrik geschlossen, jetzt war ich nur mehr "End-User", der nun alles selber machen musste, Betriebssysteme installieren, Applikationen wie Word und Excel etc. anwenden.

Als wir das Jahr 2000 schrieben, hatte ich auf meinem Rechner zu Hause Windows 2000 installiert, da hatte ich schon Routine. Windows XP kam auch bald raus, alles hatte man im Kopf, Anweisungen zu lesen war nicht mehr nötig. Neue Windows-CD rein, und schon hatten wir wieder eine neue Version. Vista habe ich nie installiert, zu dieser Zeit war es nötig, einen neuen Rechner zu kaufen, da war Vista schon drauf.

Windows 7 habe ich ausgelassen, jetzt kam Windows 8 raus, da dachte ich mir, die 100 Euro leistet du dir, das kann ja nicht so schwer sein, neue DVD rein und schon lief nach einiger Wartezeit das Windows 8. Aber o Schreck, nach etwa 14 Tagen benahm sich der PC zu komisch, immer, wenn ich eine mp3-Datei abspielen wollte, ging ein blaues Apps-Fenster auf, aber zu hören war nichts, nach etwa 30 Sekunden Wartezeit kam der Desktop-Screen. Ich konnte nicht mal mehr in ein Verzeichnis wechseln, in dem eine MP3-Datei lag, immer das gleiche Spiel. Das konnte sicher kein Windows-Fehler sein, aber Kaspersky hat auch keinen Virus erkannt. Einen Virus zu eliminieren, den man gar nicht kennt, ist natürlich schwierig. Die Trickkiste früherer Jahre sagte, format c: und dann ist Ruhe. Ja, es war Ruhe, absolute Ruhe sogar. Wie war das noch mal früher bei so Gelegenheiten: mit der neuen CD starten, dann wollte das Betriebssystem die alte CD mit dem früheren Betriebssytem mal kurz lesen, man hatte natürlich nur eine Update-Version gekauft, dann ging es weiter. Das hatte sogar geklappt, Windows 8 ließ sich ohne Probleme installieren, wenn nicht die Aktivierung gewesen wäre. Und diese Routine sagte ätsch!, das ist nur eine Update-Version, d.h. das alte Windows muss beim Installieren noch da sein, aber es war nicht mehr da, es ist zusammen mit dem Virus durch den format c: verschwunden. Wie war das das letzte Mal, wie auch die Aktivierung nicht automatisch lief, man rief eine nette Dame an, die hat dann das neue Betriebsysstem von Hand aktiviert. Diesmal war die nette Dame aber nicht so nett, sie sagte, das haben Sie ganz falsch gemacht, erst das alte Windows wieder installieren, dann kann man erst Windows 8 installieren, so geht das heute. Dass diese Vorgehensweise gar nicht so benutzerfreundich ist, hatte die nette Dame gar nicht interessiert. Ich habe natürlich auch nicht eingesehen, dass ich noch mal alles von vorne machen muss, weil ich ja jede Version gekauft hatte. Ich wollte ihren Chef sprechen, vielleicht ließ der mit sich reden, aber im Originalton: "der Chef ist für mich da, aber nicht für Sie".

Was tun? Es gibt ja schließlich auch eine E-mail-Adresse, da versuchte ich einen Chef zu erreichen. Ich bekam auch eine Antwort über E-Mail, die mir genau erklärte, wie die neue Prozedur ist, also genau das, was die nette Dame auch schon sagte. Jetzt war ich aber schon leicht sauer. Ich schrieb wieder, diesmal mit der Post an den Leiter des Kundendienstes in dem Wahn, dass diesmal wohl ein höhrer Manager sich meines Problems annimmt, ich versuchte zu erwähnen, dass sicher die Kundenzufriedenheit ein wesentlicher Gesichtspunkt in der Politik von Microsoft sei. Ich bekam wieder eine Standardantwort, natürlich ist die Kundenzufriedenheit ein wichtiger Gesichtspunkt, dann aber der Verweis, Probleme werden nicht über E-Mails gelöst, man ruft zu diesem Zweck die bekannte Hotline-Nummer an. Das habe ich mir aber dann doch erspart, ich wußte schon vorher, was die nette Dame dann sagen wird.

Nach einiger Zeit würde dann das nicht-aktivierte Windows 8 nicht mehr funktionieren, ich musste mich wohl oder übel mit der Standard-Prozedur anfreunden, d.h. erst wieder Windows XP installieren. Nun war bei den Geräten ein Sack voll gelber Fragezeichen da, es ging fast gar nichts, Internet sowieso nicht. Aber ich ließ mich nicht erschüttern, das war früher doch immer so, also einen Driver nach dem anderen suchen und installieren. Aber wie macht man das, wenn der PC gar kein Internet hat? Wo kriegt man die Driver her? Aber ich habe ja zwei, d.h. genau genommen drei PC, die alle Internet können. Dann gibt es heute so komfortable USB-Sticks, also zur nächsten Maschine, Driver gesucht, auf USB-Stick kopiert, USB-Stick zum Patienten-PC und flugs verschwanden so einer nach dem anderen von den penetranten gelben Fragezeichen.

Auch gibt es von Fritz!Box eine komfortable Installations-CD, nun lief Internet mit meinem Windows-XP. Nun schnell die Windows-8 Installationsdisk rein. Weit gefehlt! Die neue Windows-8-Software wollte mein XP SP2 gar nicht, es musste schon SP3 sein. Ein Internet Explorer war bereits automatisch installiert worden, also aufrufen und auf die Homepage von Microsoft gehen. Da war ich aber erstaunt, dass dieses rudimentäre Programm nicht funktionierte. Also vom anderen Rechner ein neues Firefox geholt, nun ging es weiter. Also SP3 runtergeladen und installiert. Nun ließ sich tatsächlich Windows-8 installieren.

Kaum macht man es richtig, schon läuft es auch schon, sogar das Aktivieren ging, zwar zwei Tage später nach meinem ersten vergeblichen Versuch, aber immerhin es ging. Nachdem inzwischen aber zwei Tage vergangen waren, kamen endlos viele Updates von Windows-8, ich glaube, es waren 43. Kaum fährt man den PC runter (wie oft man rauf- und runterfährt, wenn man neue Driver installiert, weiß ich nicht mehr, zumindest dauert das Rauf- und Runterfahren länger als das Driver-Installieren). Bei so einer Gelegenheit war nun Windows-8 eifrig am Updaten, kaum war dies im Single-User-Mode nach ca 30 Minuten fertig, merkte das schlaue Programm, dass Windows-8 zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht aktiviert war, also zurück marsch, marsch, alles wieder rückgängig machen. Aber auch dieses Problem war nach dem Aktivieren von Windows-8 Vergangenheit.

Ich hatte also ein Windows-8, (einschließlich Kaspersky und Firefox), die Daten lagen noch friedlich auf den ausgelagerten Festplatten. Nachdem dies so elegante Platten von 3 TB waren, war natürlich Windows-8 nicht so ohne weiteres bereit, diese überhaupt anzuerkennen. Aber ich möchte mich nicht wiederholen, man weiß ja, man braucht zum Installieren eines PCs einen zweiten PC, der in der Lage ist, auch die Sicherheitskopien zu lesen und dann nur die Driver auf den freundlichen USB-Stick übertragen. Kaum sind zwei Tage vergangen, schon kann man anfangen, seine Daten wieder zu holen. Dies ist natürlich auch eine längliche Angelegenheit, wenn man viele Daten hat.

Nachdem das Zurückkopieren immer noch läuft, hatte ich genügend Zeit, über die interessante und Tage füllende Tätigkeit eines Endusers beim Installieren einer neuen Windows-Version zu philosophieren mit einigen Reminiszenzen aus der Gründerzeit der EDV. So ist aus dem Windows-Update fast eine Lebensgeschichte geworden. Meine Enkel sind noch nicht so alt, dass sie dies lesen können, aber in einigen Jahren würden sie beim Lesen sicher sagen, aber Opa, das ist doch ganz einfach!

13-Jun-2013
Heinz Wember